SOS - Musikland

Stimmen zum Thema

Natascha Flamisch  "Vor kurzem sang ich beim Riverboat Shuffle des Jazzclub Wien. Als ich das Schiff betrat, wurde ich sehr nachdenklich. Die grandiosen Musiker waren durchschnittlich über 60 Jahre alt. Was passiert mit dem Jazz in Österreich, wenn es diese Generation nicht mehr gibt? Ich selbst bin zu dieser Musik durch einen längeren USA-Aufenthalt gestoßen – die vorhin angesprochene Generation ist noch durch das Radiohören in Österreich dazugekommen. Als ich in meiner Nachdenklichkeit eine Bemerkung dazu gemacht habe, ist sofort eine angeregte Diskussion entstanden: Wie soll das alles weitergehen können, wenn die Medien sich tot stellen? Ist das der Beginn eines Aussterbens? Ein antiquiertes Image könnte man locker wegfegen. Ich hab mir gewünscht, daß viele junge Leute so einen Tag einmal miterleben dürfen: Party, Groove und Lebenslust pur! Ich kenne auch die andere Seite, da ich sieben Jahre lang für Radio und TV gearbeitet habe. Der Druck ist immens – aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, daß es keinen Mittelweg gibt!"
Natascha Flamisch, www.natascha-flamisch.com
Thomas Raab  "Nüchtern betrachtet braucht es für ein 'Ja' der Programm-Macher zu der in Österreich produzierten hervorragenden Musik weder Mitleid noch ein schlechtes Gewissen, nicht einmal Emotionen. Für dieses 'Ja' braucht es wertfreien, geschmacksneutralen Verstand. Mehr Präsenz heimischer Musikschaffender auf allen medialen Ebenen bedeutet: Wahrnehmung durch die Menschen, eine Steigerung der Wertschätzung gegenüber der eigenen kulturellen Identität, selbstredend ein Plus im Umsatz jeder mit Musikproduktion und -vermarktung verknüpften Branche, Arbeitsplätze und Wachstum, bedeutet also ein Plus für das eigene Land auf allen Linien. Diese simple Rechnung schafft ein Grundschüler."
Thomas Raab, www.thomasraab.com
Otto Lechner  "Für mich waren die drei Radiosender des ORF bis zum Ende der 70er die Zentren meiner musikalischen Welt. Eigentlich bin ich kein Auto- sondern ein Radiodidakt; ein Bildungsweg, den ich meinem Sohn heute nicht empfehlen könnte. Gerade vom Ö3 der 70er habe ich gelernt, daß es gute Musik gibt, die von vielen Leuten gehört werden kann, und so schlägt mein Herz auch noch immer für vielfältigste Formen von Unterhaltungsmusik. Daß ich dennoch ein Nischenkünstler geworden bin, liegt sicher auch an der Verbannung aller Andersklingenden zum Kultursender Ö1 oder ins Nichts. Heute stecke ich in diesem bis zum Ersticken ausgewogenen Ö1 und raufe mich mit allen Andersdenkenden, besonders Gläubigen und besonders Ungläubigen, Klassikern und Avantgardisten, mit allen Minderheiten Österreichs um die besten Sendeplätze. Vielleicht werde ja auch ich noch der 'Austropopper', der ich mit Fünfzehn werden wollte. Wenn es dafür einer Quote bedarf, so führen wir sie halt ein." [Ungekürzter Text: www.musikergilde.at]
Otto Lechner, www.ottolechner.at
Eric Trauner  "Wenn ich als Ö-Musiker seit Jahren mehr Airplay in Frankreich, Belgien, der Schweiz oder gar in den USA bekomme, dann drängt sich die Frage auf: Mache ich etwas falsch - oder das Land Österreich? Die Ignoranz des ORF gegenüber jungen Talenten aber auch alten Haudegen der Ö-Musikszene gegenüber ist weltweit beispiellos! Ist denn unsere Hörigkeit gegenüber Wirtschaftstrusts bereits so fortgeschritten, daß ein Land den Großteil seiner künstlerischen Identität verleugnen muß? Ohne Plattform - inklusive TV - prellt sich das Land nicht nur um das Gedeihen einer blühenden professionellen Musikszene. Der ORF fungiert mit seinem Anti-Austro-Verhalten seit Jahrzehnten auch als Totengräber unzähliger immer schon mit uns verbundenen Berufsgruppen wie Veranstalter, Studios, PA-Firmen, Musikgeschäfte, Cateringfirmen etc, also, nebst Kunstverlust ergibt sich auch ein wirtschaftlich ruinöser Effekt."
Eric Trauner, Mojo Blues Band
Melinda Stoika  "Ich will im Radio Musik aus Österreich hören! Wie sonst soll ich gute Musiker kennenlernen? Was ich kenne, ist alles von Myspace. Schade eigentlich, denn es hier gibt sehr viele talentierte Musikerinnen und Musiker, von denen man im Radio nichts hört."
Melinda Stoika, Stoika & Stojka
Eric Papilaya  "Es ist in Österreich ungefair genauso schwer, von Musik zu leben wie einen Sack Kartoffeln durch die Nase zu essen. Wenn man es schafft, dann nicht ohne vorher püriert und verdünnt worden zu sein. Die Aktion 'Die neuen Österreicher' ist ein gutes Zeichen (vor allem Print und Online), aber es ist schon sehr wenig Platz für sehr viel richtig gute Mucke. Wir haben unsere eigenen Robbies, Sunrise Ave. und Britneys (ok, letztere vielleicht nicht). Also: Play!"
Eric Papilaya, www.ericpapilaya.com
Mag. Laura Rudas, SPÖ-Bundes-GF  "Es gibt in Österreich eine Menge junger talentierter Musiker/innen - ihre Musik wird nur zu wenig gespielt. Wir können uns nicht leisten, auf diese Talente zu verzichten. Die Ö-Musiklandschaft bereichert das kulturelle Leben in unserem Land und ist daher förderungswürdig. Darüber hinaus stellt sie auch einen bedeutenden volkswirtschaftlichen Faktor dar. Eine lebendige und in den österreichischen Radiosendern auch entsprechend vertretene heimische Musikszene sichert und schafft Arbeitsplätze - und muss wieder stärker als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen werden. Eine angemessene Präsenz heimischer Produktionen im Hörfunk ist erstrebenswert. Ziel sollte ein nationaler Anteil in Höhe des EU-weiten Durchschnitts von zumindest 40 Prozent sein." (SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Bundesgeschäftsführerin)
Mag. Laura Rudas, SPÖ-Bundes-GF, www.laurarudas.at
Mia Koller - BandWG  "Die Szene ist krank. Irgendwann scheint sich ein Virus eingeschlichen zu haben, der langsam aber sicher jegliche Wertschätzung für nationale kreative Schöpfungen zerfrisst. Muss man erst sterben, um in der österreichischen Medienlandschaft als die Legende zu reinkarnieren? Sollten wir uns ein Beispiel an Mozart und Falco nehmen und es post mortem versuchen? Oder gehen wir einen Weg, den uns Paulo Coelho aufzeigt: „Es ist wichtig, für seine Träume ein paar Kämpfe durchzustehen – nicht als Opfer, sondern als Abenteurer.“ Probieren wir es doch mal mit Vitaminen! Schon mal riskiert, Erdbeeren aus dem heimischen Garten zu kosten? Sie sind vielleicht etwas kleiner, weniger genmanipuliert und mit weniger Spritzmittel aufgeputscht, aber sie schmecken wunderbar!"
Mia Koller - BandWG, www.bandwg.com
Alf Poier  "Wenn ich mir nicht irgendwann als Kabarettist und Gegendenker eine goldene Nase verdient hätte, könnte ich mir meine Musikproduktionen gar nicht leisten. Ich finde es traurig, dass der Mainstream – und dazu noch der internationale – das Ruder in der Ö-Musiklandschaft übernommen hat. Da ändert es auch nix daran, dass es hin und wieder ein paar vom ORF auserwählte Vollkaskomarionetten gibt, die einheitlich gekleidet und frisch frisiert ihre uneigenständigen Kinderproduktionen über den Äther posaunen dürfen. Da ich mich privat eher in der Musik- und kaum in der Kabarettszene aufhalte, bin ich laufend mit Musikerkollegen konfrontiert, deren Lebensstandard demjenigen einer dahinvegetierenden, krebskranken Kellerassel entspricht. Wenn sich die Situation nicht bald ändert, werden bestimmt viele Musiker meinem Beispiel folgen und in die Kabarettszene abwandern. So gesehen muss man sich in Österreich sprichwörtlich zum Kasperl machen, um sich ein Leben als Musiker leisten zu können!"
Alf Poier, www.alfpoier.at
Louie Austen  "Wenn österreichische Künstler im Ausland mehr in Radios gespielt und gefeatured werden als im eigenen Land, sollte das einem schon zu denken geben..."
Louie Austen, www.louieausten.com


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